social mobile

Habe gestern meinen ipod an den mac gestöpselt und bin daraufhin von last fm gefragt worden, ob ich denn gerne der netz community mitteilen möchte, was ich in letzter Zeit so gehört habe.
Jetzt wird’s also richtig spannend. Volkszählungsboykott war ja schon Vorvorgestern, darüber sind wir längst weg. Ein gewisses gläsernes Gefühl ist lange Gewohnheit. Das iPhone hat einen neuen Gang eingelegt: Alles drauf auf das Gerät, Musik, Photos, Notizen, Termine, soweit nix neues. Alles auf der virtuellen .mac-Platte, auch kein Brüller. Die NSA wird schon nix damit anfangen können. myspace & xing veraten euch meine Freunde & Kontakte, google sagt euch, wo ich heut war und verwaltet auch meinen Kalender. Kommt mir nicht mit eurer Paranoia.
Was ihr nämlich noch nicht wisst, ist, dass ich euch das alles gerne verrate!
Mein neues mobile wird euch selbstverständlich meine aktuellen Photos in Echtzeit auf meinem Web-Profil präsentieren! Warum dort nicht auch ein Log meiner SMS-Versände listen, ihr sollt doch wissen, wen ich alles kenne. Kommunizierst du nicht, bist du schon tot. Du musst auch wissen, was ich jetzt gerade höre, denn morgen ist es ja nicht mehr aktuell. Ich kann Dir auch beweisen, dass ich den neuesten Track schon vor Dir kannte! Und Du kannst mich treffen, weil Du jetzt weißt, wo ich bin.
Deshalb bin ich Social. Du nicht?

DeBug hat den Begriff Sozialfestplatte erstaunlich trocken verwendet und damit m. E. eine realistische Einschätzung abgegeben. Das Aufkommen an Flatrate Tarifen führt in Versuchung, alle Daten des Mobiles (Telefon ist wohl eher eine antiquierte Bezeichnung) direkt ins Netz zu spielen, Myspace & last fm bringen die Selbstentblätterungsdynamik aus frühen Webzeiten zurück.

Ich bin begeistert von dieser Entwicklung, bringt sie doch endlich eine ernsthafte Möglichkeit, das soziale Gefüge unserer Gesellschaft aufzuschütteln. Ob das nun gut ist oder nicht, sei dahingestellt, mit neuen Methoden muss umgehen gelernt werden. Der alte Scifi-Fan muss erstmal triumphieren.
Für mich persönlich bleibt für’s erste: Zuschauen & abwarten. Meine Daten kriegt ihr jetzt noch nicht. Aber immerhin bin ich schon bereit, euch einen Einblick via Blog zu gewähren. Wer weiss…

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3 Kommentare zu social mobile

  1. VonKorf sagt:

    Diese offensichtliche Durchsichtigkeit (auch illegaler Datennutzung) treibt hoffentlich die Entwicklung praktikabler Urheberrechtsalternativen voran -> siehe creative commons.

  2. VonKorf sagt:

    oder auch:

    „ca. 2080 ist die gedankenherkunftscontrolle voll entwickelt; ein permanentes, umfassendes scannen, identifizeren, loggen und schreiben in gewaltigen datenbanken; das, was in den gehirnen passiert, kann ausgelesen werden, das hat der gesehen, und das hat die kaufentscheidung ausgeloest …
    Gedanken-IDs … die meisten gedanken sind lizensiert, z.b. auch maerchen, es herrscht eine diktatur der urheber, in wirklichkeit, der wenigen, die ueber eigentum verfuegen … stuehle, gebaeude haben urheber, architekten sind bei der gebaeude-gema, und hausbewohner haben eine art fussboden-gvl
    Zuse’s baustatische algoritmen sind reprivatisiert, und die musikkontrolle ist perfekt; ohrwuermer z.b. koennen abgehoert werden – dafuer werden lizenzen faellig, und wer die nicht zahlen kann, bekommt eine gedankenstoerung, einen stoerstrom, einen tinitus, oder aber: erst werden die sachen schlechter, konsumprodukte verlieren an qualitaet, und irgendwann wird deine sensorik ausgeschaltet …“

    mehr auf radiovisionen

  3. Jens sagt:

    Die Störung von Ohrwürmern wär ja wirklich mal eine positive Errungenschaft, sofern sie justierbar ist.
    80% meiner aus dem nichts auftauchenden Ohrwürmer sind schliesslich extrem nervtötend, und eine Abschaltung ist definitiv wünschenswert.
    Wie wärs damit:
    Morgens beim Kaffeetrinken erscheint Hammamamma in meinen Synapsen, ich lass es sofort registrieren & schon am Nachmittag geht eine Klage bei culcha candela’s label ein: Eintrübung meiner mentalen Freiheit, Verletzung der privaten Audiosphäre. 20.000 €.

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