{"id":205,"date":"2011-09-14T20:00:48","date_gmt":"2011-09-14T18:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=205"},"modified":"2011-09-14T20:14:27","modified_gmt":"2011-09-14T18:14:27","slug":"vergutung-unabhangiger-produzenten-und-nutzer-kreativitat-auf-online-plattformen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=205","title":{"rendered":"Verbesserung der Verg\u00fctung unabh\u00e4ngiger Produzenten und Nutzer-Kreativit\u00e4t auf online &#8211; Plattformen"},"content":{"rendered":"<p>Neulich meldete ich mich bei einer <a href=\"http:\/\/www.noz.de\/lokales\/56444028\/staatsminister-neumann-in-osnabrueck?et_cid=1&#038;et_lid=1&#038;gclid=CPDL7tWqnasCFcMXzQodqHCRmw\">Veranstaltung<\/a> mit <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Webs\/Breg\/DE\/Bundesregierung\/BeauftragterfuerKulturundMedien\/beauftragter-fuer-kultur-und-medien.html\">Kulturstaatsminister Neumann<\/a> zum Thema Urheberrecht. Leider vertritt Herr Neumann bei dem Thema ziemlich pur die Position der Musikindustrie, also habe ich ihn auf die Situation der selbst\u00e4ndigen Produzenten und Nutzer-Kreativit\u00e4t aufmerksam gemacht. Daraufhin bat er mich, ihm ein Papier zu dem Thema zu schreiben, das deutlich macht, wie man verbessernde Ma\u00dfnahmen in Gesetze giessen kann, er sei n\u00e4mlich kein Jurist.<br \/>\nNun, das bin ich auch nicht, aber ich habe trotzdem ein paar grundlegende Gedanken f\u00fcr ihn zusammengefasst und gestern losgeschickt. Mal sehen, was davon kommt. Im folgenden findet ihr den Text komplett und <a href=\"http:\/\/\/schwetter.de\/blog\/wp-content\/uploads\/pdfs\/Thesenpapier_Neumann.pdf\">hier auch als pdf zum download<\/a>.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Zur Rolle unabh\u00e4ngiger Produzenten auf digitalen Kulturm\u00e4rkten <\/strong><br \/>\nunter besonderer Ber\u00fccksichtigung des produzierenden Konsumenten<\/p>\n<p>Thesenpapier f\u00fcr Kulturstaatsminister Neumann anl\u00e4sslich der Novellierung des Urheberrechts 2011<\/p>\n<p>Autor: Holger Schwetter<\/p>\n<p>Die Kulturproduktion und Distribution ver\u00e4ndert sich grundlegend im Kontext digitaler Netzwerke. Es darf zurecht von einem digitalen Zeitalter gesprochen werden, f\u00fcr das neue Paradigmen entstehen. Eine Neustrukturierung der Kulturindustrie ist in diesem Zusammenhang unvermeidbar. Sie muss so geschehen, dass sich die kulturellen und unternehmerischen Potentiale des digitalen Zeitalters ihrem Wesen gem\u00e4\u00df entfalten k\u00f6nnen. Dann werden Kreative und Unternehmen erfolgreich sein, die die innere Logik und Dynamik der digital vermittelten Prozesse verstehen und in ihren Gesch\u00e4ftsmodellen verk\u00f6rpern.<\/p>\n<p>Ein Wesensmerkmal des Digitalen ist die Sichtbarkeit der verteilten Kreativit\u00e4t. Die Produkte der Kulturindustrie sind genauso leicht erreichbar wie die Amateurproduktionen aus der Nachbarschaft. Unternehmen, die diese Sichtbarkeit unterst\u00fctzen, wie youtube oder myspace, geh\u00f6ren zu den ersten Unternehmen, die Marktf\u00fchrungsrollen in der digitalen Kulturdistribution \u00fcbernehmen konnten. <\/p>\n<p>Ein zweites Wesensmerkmal ist die Dynamisierung der Rollen der Marktteilnehmer. Nutzer laden auf den o.g. Plattformen vielfach auch urheberrechtlich gesch\u00fctztes Material anderer Kreativer hoch. Sie bet\u00e4tigen sich damit nicht nur als Produzenten, sondern auch als Distributoren, als Kulturvertrieb. <\/p>\n<p>Gesetzliche Regelungen sollten diese Dynamik unterst\u00fctzen und ihre Weiterentwicklung erm\u00f6glichen. Die wichtige Frage ist, wie Verg\u00fctungen f\u00fcr die Leistungen der Nutzer \/ Produzenten \/ Distributoren geschaffen werden k\u00f6nnen. Die Frage lautet nicht, wie man sie daran hindern kann, ihre neuen Rollen einzunehmen. Letzteres ist nur eine Frage aus der begrenzten Perspektive von Unternehmen, deren alte Gesch\u00e4ftsmodelle nicht f\u00fcr das digitale Zeitalter taugen. Demgegen\u00fcber gibt es eine Menge vielversprechender Ans\u00e4tze, die von neuen, noch kleinen Unternehmen und Initiativen vorangetrieben werden. Mikropayment und gestaffelte Provisionsmodelle geh\u00f6ren ebenso dazu wie flatrates. (Die flatrates geh\u00f6ren \u00fcbrigens schon lange zum Kern des Gesch\u00e4ftsmodells der GEMA. Von Kneipen, Diskotheken, kleineren Radiostationen und vielen anderen Musiknutzern verlangt die Verwertungsgesellschaft sogenannte pauschale Verg\u00fctungen, sprich monatliche Pauschalen (=flatrates), die nach internen Verteilungsschl\u00fcsseln an die GEMA-Mitglieder verteilt werden.)<\/p>\n<p>Wir befinden uns in einer Phase bl\u00fchender Kultur. Es wird mehr Kultur produziert und verteilt als vielleicht jemals zuvor. Der neue Modus der Kulturdistribution ist das Teilen &#8211; das Empfehlen oder Weiterreichen von Inhalten. In Form von filesharing wird es von der alten Kulturindustrie bek\u00e4mpft und steht viel zu sehr im Fokus der Aufmerksamkeit; Unternehmen wie facebook oder twitter hingegen  verhalten sich innovativ &#8211; sie machen das Teilen von Inhalten zum Kern der Nutzeraktivit\u00e4ten auf ihren Plattformen und werden damit zu Marktf\u00fchrern einer 2. Generation von Unternehmen, die das Wesen digitaler Kultur verstehen.<\/p>\n<p>Kleinunternehmer und selbst\u00e4ndige Kreative waren im alten Markt benachteiligt. Der beschr\u00e4nkte Zugang zu Vertrieb und Regalfl\u00e4chen beg\u00fcnstigte die Entstehung grosser, konzentrierter Rechteverwertungsunternehmen. Der digitale Vertrieb beg\u00fcnstigt eine Neustrukturierung des Marktes als kleinteilig und mittelst\u00e4ndig auf der Produzentenseite. Wiederum sind die Unternehmen die Gewinner, die dazu passende Gesch\u00e4ftsmodelle entwickeln, wie beispielsweise Amazon, die einen Gro\u00dfteil ihres Umsatzes mit sogenannten Nischenprodukten erwirtschaften.<\/p>\n<p>Die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Wesentliche M\u00f6glichkeiten der digitalen Kultur sind noch nicht entwickelt. Es sollte jedoch klar geworden sein, dass Verbote von Nutzeraktivit\u00e4ten zum Schutz von veralteten Vermarktungsmodellen z.B. der Musikindustrie nicht der richtige Weg f\u00fcr die Entwicklung dynamischer digitaler M\u00e4rkte sind.<\/p>\n<p>Zu Recht zentral und bislang nur in Ans\u00e4tzen beantwortet ist die Frage, wie eine Verg\u00fctung der Nutzer und\/oder Produzenten aussehen soll. Ist ein schon immer schwieriger Begriff wie die \u201eSch\u00f6pfungsh\u00f6he\u201c hier, wo die Rollen zunehmend verschwimmen, noch praktikabel? Jeder Eintrag auf einer Internetplattform stellt eine Ver\u00f6ffentlichung dar, f\u00e4llt unter das Urheberrecht und k\u00f6nnte verg\u00fctet werden. Nur erteilen die Urheber i.d.R. den Plattformen \u00fcber die jeweiligen AGBs das Recht auf eine nicht-exklusive, verg\u00fctungsfreie Nutzungslizenz. Die Plattformen verdienen Geld mit den Inhalten und dem Wissen \u00fcber das Verhalten ihrer Nutzer. Es muss ein politischer Diskurs dar\u00fcber in Gang kommen, ob und wieviel davon an unabh\u00e4ngige, professionelle Produzenten und an die Inhalte produzierenden Nutzer einer Plattform zur\u00fcckflie\u00dfen muss. Blo\u00dfe kostenlose Nutzung erscheint mir auf die Dauer als eine zu geringe Gegenleistung zu der Macht und dem Profit, zu denen die produzierenden Nutzer den Plattformen verhelfen. (Erg\u00e4nzung: <a href=\"http:\/\/fcforum.net\/en\/sustainable-models-for-creativity\/how-to-manual#models\">Das free culture forum zitiert mehrere Autoren<\/a>, die \u00fcbereinstimmend 15% des Umsatzes als Aussch\u00fcttung an die Nutzer fordern.)<\/p>\n<p>Die GEMA muss davon \u00fcberzeugt werden, dass es auch die sch\u00f6pferischen Leistungen der Nutzer-Produzenten-Distributoren, der \u201eprosumer\u201c Wert sind, von ihr vertreten zu werden und dass es im Zeitalter st\u00e4ndiger digitaler Ver\u00f6ffentlichung praktikabel ist, Lizenzbauk\u00e4sten wie creative commons von ihren Mitgliedern nutzen zu lassen, die auch Rechte zur kostenlosen Weitergabe von Werken beinhalten.<\/p>\n<p>Von der momentanen Gestaltung des Urheberrechts profitieren vor allem die grossen Rechteverwertungsunternehmen und in den Verwertungsgesellschaften nur eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleine Zahl von Urhebern im inneren Kreis. Die Verwertungsgesellschaften sichern nicht die unabh\u00e4ngigen Produzenten und erst recht nicht die Berufseinsteiger ab. Der Schutz der Kreativen wird von den Rechteverwertern wiederum blo\u00df als rhetorische Figur im Kampf um ihre Gesch\u00e4ftsinteressen vorgeschoben.<\/p>\n<p>Die digitalen Netzwerke f\u00fchren zu einer Neugestaltung wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Prozesse. Die Politik muss erkennen, dass die Rahmenbedingungen Offenheit herstellen m\u00fcssen, um Innovation zu erm\u00f6glichen. Nur dann k\u00f6nnen die Prozesse so verlaufen, dass die digitale Kultur ihre Potentiale voll entfalten kann. Es kann nicht angehen, mit restriktiven Vorschriften Teile der Internetkultur zu verbieten, um alte Gesch\u00e4ftsmodelle zu sch\u00fctzen, die Konsumenten, Vertriebswege und Produzenten weiterhin als streng getrennt betrachten wollen. <\/p>\n<p>An den digitalen M\u00e4rkten werden sich neue Vertriebsmodelle durchsetzen, die dem Wesen dieser M\u00e4rkte gerecht werden. Gewinnen werden L\u00e4nder, die mit liberalem Urheberrecht Innovation und kulturelle Entwicklung zur Entfaltung bringen. <\/p>\n<p>Autor und Rechteinhaber: Holger Schwetter, 11.09.2011<br \/>\nNutzungslizenz: cc by-nc-sa. Sie d\u00fcrfen das Werk f\u00fcr private und nicht-kommerzielle Zwecke kopieren sowie Teile daraus f\u00fcr neue Werke verwenden, sofern Sie meine Autorenschaft kenntlich machen und das resultierende Werk unter einer \u00e4hnlichen Lizenz ver\u00f6ffentlichen. Die kommerzielle Nutzung dieses Werkes ist Ihnen untersagt. Eine entsprechende Lizenzvereinbarung k\u00f6nnen Sie bei mir erwerben. Kontakt: holger@schwetter.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich meldete ich mich bei einer Veranstaltung mit Kulturstaatsminister Neumann zum Thema Urheberrecht. 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