{"id":223,"date":"2011-10-12T11:34:20","date_gmt":"2011-10-12T09:34:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=223"},"modified":"2011-10-17T08:50:38","modified_gmt":"2011-10-17T06:50:38","slug":"relevanz-statt-innovation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=223","title":{"rendered":"Relevanz statt Innovation"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Michel_Bauwens\">Michel Bauwens<\/a> hat in seinem Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/www.informatik.uni-leipzig.de\/~graebe\/Texte\/Bauwens-06.pdf\">the political economy of peer production<\/a>\u201c die Arbeit an Open Source Projekten als 3. Modus der Produktion bezeichnet. In Open-Source-Projekten wird seiner Meinung nach Erwerbsarbeit durch Aktivit\u00e4t und Warenwert durch Nutzwert ersetzt. Dies weiter denkend schlage ich vor, das Konzept der Innovation durch das der Relevanz zu ersetzen. Neuheit bezieht sich letztendlich immer auf das marktwirtschaftliche Konzept st\u00e4ndiger Modernisierung als Quelle f\u00fcr st\u00e4ndiges Wachstum, solange dies ein grundlegendes Systemkonzept ist.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAuf der Suche nach einer alternativen wirtschaftlichen Dynamik gilt es, dieses Konzept hinter sich zu lassen. Relevanz ist ein Konzept, das nach der Beziehung von den Nutzern zu den Objekten, Angeboten und Dienstleistungen fragt. Worin und warum investiere ich meine knappe Zeit? In Dinge und Projekte, von denen ich m\u00f6glichst lange etwas habe \u2013 das w\u00e4re rational. Der Begriff der Relevanz erm\u00f6glicht es, die gew\u00fcnschte Dauer einer Beziehung in die Betrachtung mit einzubeziehen. Wenn ich etwas auf Dauer nutzen kann, erh\u00f6ht dies den Nutzwert des Kommunikationsmediums, des Produktes oder der Dienstleistung. Dies wird auch dort deutlich, wo es darum geht, selbst etwas zu schaffen. Sprich, aktiv zu werden, sich einzubringen, an etwas mitzubauen. Niemand investiert gern Zeit und Geld, wenn er nicht davon \u00fcberzeugt ist, dass es f\u00fcr ihn relevant ist und eine ausreichende Wahrscheinlichkeit birgt, auch in Zukunft noch da zu sein. Dies ist f\u00fcr Open Source Projekte essenziell, gilt aber f\u00fcr alle Bereiche der Aktivit\u00e4t, Sprich Arbeit au\u00dferhalb von Lohnarbeit.<\/p>\n<p>Wie entsteht neue Relevanz in den neuen Medien? Das ist eine Frage, die alle, die Inhalte verbreiten wollen, brennend interessiert und die Schnittmenge zur Frage nach der Innovation. Wie kann ich Wichtiges von Unwichtigem trennen und solche Trends voraussagen? Darum geht es in der Netzwerk-Mathematik und in der Entwicklung von Software zur Datenanalyse von Kommunikation auf digitalen Plattformen. Wie erfahre ich m\u00f6glichst fr\u00fch von neuen, relevanten Entwicklungen? Das ist das Wissen, mit dem Google und Facebook ihr Geld verdienen.  Davon bin ich \u00fcberzeugt, auch wenn in der \u00f6ffentlichen Diskussion meist davon gesprochen wird, sie verdienen ihr Geld mit Werbung. <\/p>\n<p>Ich bin bestimmt nicht der Erste, der solche Gedanken spinnt. An Informationen zum Thema Relevanz und wirtschaftliche Dynamik bin ich sehr interessiert. Den Ansto\u00df zu meinen \u00dcberlegungen gab \u00fcbrigens ein ganz praktisches Problem: wo immer ich Projektantr\u00e4ge stelle oder von Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr interessante Projekte h\u00f6re, ist das Kriterium der Innovation momentan ein Todschlagskriterium. \u201eWir f\u00f6rdern laut unseren F\u00f6rderrichtlinien nur Projekte, die innovativ sind; wenn etwas drin ist, dass noch nie vorher von jemandem unterst\u00fctzt wurde.\u201c Wie langweilig. Und es geht am Kern der Dinge vorbei. Ein Projekt wird doch nicht automatisch schlecht, nur weil jemand vorher und woanders schon mal etwas \u00e4hnliches gemacht hat. Im Gegenteil, Nachahmung und Bezugnahme sind Standardtechniken gesellschaftlicher Entwicklung. Wieviel sinnvoller w\u00e4re es, bei der Verteilung von F\u00f6rdergeldern das Kriterium der Relevanz in den Mittelpunkt zu stellen. Es ginge dann darum, etwas zu tun, dass eine Bedeutung entwickeln kann, und man h\u00e4tte einen Ma\u00dfstab, der die Beteiligten dazu zwingt, inhaltliche Kriterien aufzustellen und offen zu legen. <\/p>\n<p>Im schlimmsten Fall (und leider ziemlich h\u00e4ufig) dient Innovation als Deck-Argument f\u00fcr intendierte Ver\u00e4nderungen, die ohne inhaltliche Diskussion positiv belegt werden sollen. Der Begriff der Relevanz liegt hingegen n\u00e4her an der Frage \u201ef\u00fcr wen?\u201c. Gesellschaftliche Diskussionen zur Frage der Relevanz gehen tiefer als solche zur Frage der Innovation, bei der es oft reichen soll, dass \u00fcberhaupt Innovation drin ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michel Bauwens hat in seinem Artikel \u201ethe political economy of peer production\u201c die Arbeit an Open Source Projekten als 3. Modus der Produktion bezeichnet. In Open-Source-Projekten wird seiner Meinung nach Erwerbsarbeit durch Aktivit\u00e4t und Warenwert durch Nutzwert ersetzt. 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