{"id":269,"date":"2013-05-20T15:44:27","date_gmt":"2013-05-20T13:44:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=269"},"modified":"2013-10-25T10:59:06","modified_gmt":"2013-10-25T08:59:06","slug":"jonathan-coulton-american-idol-und-das-problem-der-nicht-gekennzeichneten-bearbeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=269","title":{"rendered":"Jonathan Coulton, American Idol und das Problem der nicht gekennzeichneten Bearbeitung"},"content":{"rendered":"<p>Der amerikanische Singer\/Songwriter <a href=\"http:\/\/www.jonathancoulton.com\/\">Jonathan Coulton<\/a> wurde vor einiger Zeit gewahr, dass seine Version des Sir Mix-A-Lot Raps &#8222;Baby Got Back&#8220; von der Castingshow <a href=\"http:\/\/www.americanidol.com\/\">&#8222;American Idol&#8220;<\/a> verwendet wurde, und zwar offenbar nicht nur seine vom Original g\u00e4nzlich verschiedene kompositorische Bearbeitung inkl. einer von ihm ge\u00e4nderten Textzeile, sondern sogar die Aufnahme, wie dieser A\/B Vergleich (linker Kanal\/rechter Kanal) nahelegt. American Idol verkauft die neue Version auch auf iTunes etc. <\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"166\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F75469016\"><\/iframe><\/p>\n<p>Hier zum Vergleich das Original von Sir Mix-A-Lot:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/PXQPGHP80Rk\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Jonathan Coulton berichtet von diesem Vorfall in zwei Blogposts (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.jonathancoulton.com\/2013\/01\/18\/baby-got-back-and-glee\/\">blogpost 1<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.jonathancoulton.com\/2013\/01\/26\/baby-got-back-glee-style\/\">blogpost 2<\/a>) und kommt nach einer kurzen Auseinandersetzung mit der Produktionsfirma von American Idol zu dem Schlu\u00df, dass er nichts dagegen machen kann. Denn: er hat seine Version als Coverversion angegeben, als er die Rechte f\u00fcr seine Version anmeldete, hat also seinen kreativen Anteil in der Bearbeitung der Musik unter den Tisch fallen lassen. Offiziell ist seine Version eine 1:1 Kiopie des Originals und damit kann er diese Rechte nicht geltend machen.<\/p>\n<p>Wie konnte das passieren? <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht genau, wie der Lizensierungsprozess in den USA aussieht, aber ich kann schildern, wie es hier in Deutschland l\u00e4uft, und das Resultat ist \u00e4hnlich. Lassen wir die Sache mit der Aufnahme mal kurz beiseite und widmen uns der Komposition. Die Rechte an einem Song beziehen sich auf zwei Dimensionen: Text und Musik, dementsprechend Texter und Komponist. Wenn jetzt jemand eine Bearbeitung vornimmt, muss er das bei der GEMA anf\u00fchren, die daf\u00fcr die Kategorie Bearbeiter vorgesehen hat.<\/p>\n<p>Die Tantiemen, die der Originalsong einspielt, werden zwischen Texter und Komponist aufgeteilt. Bei der musikalisch bearbeiteten Version erh\u00e4lt der Texter den gleichen Anteil, den Anteil f\u00fcr die Musik m\u00fcssen sich Texter und Komponist teilen. Der Komponiost bekommt also weniger, weil seine Leistung nur einen Teil der in der Bearbeitung h\u00f6rbaren Leistung ausmacht. So weit, so logisch und gerecht, vom Gedanken her.<\/p>\n<p>Nun ist es aber leider so, dass ein Bearbeiter den Komponisten oder jeweiligen Rechteinhaber fragen muss, ob er eine Bearbeitung vornehmen darf. Dadurch ist er in einer schlechten Verhandlungsposition. Entweder, er bietet f\u00fcr die Rechte Geld, oft lautet das Angebot der Rechteinhaver jedoch schlicht: Genehmigung unter der Bedingung, dass die Bearbeitung als Coverversion deklariert wird. Es wird also ein Vertrag geschlossen, der noch weiter geht, als das der Bearbeiter auf s\u00e4mtliche Rechte an seinen Leistungen verzichtet; er macht seine Rechte nicht-existent, tut so, als g\u00e4be es diese Leistung nicht.<\/p>\n<p>Dadurch ist auch in Deutschland m\u00f6glich, was Jonathan Coulton passiert ist. Kopiert nun jemand anders die Bearbeitung und gibt sie seinerseits als Coverversion des Originals an, so hat der eigentliche Bearbeiter keine rechtliche Handhabe; seine Rechte existieren ja gar nicht, er hat das Werk ja selbst als 1:1 Kopie angegeben.<\/p>\n<p>Wie gesagt, der Deal, Bearbeitungsrechte gegen Registrierung als Coverversion ist branchen\u00fcblich, er bringt das Resultat, dass alle Tantiemen f\u00fcr die Musik an den urspr\u00fcnglichen Komponisten gehen, als eine unb\u00fcrokratische, schnelle Regelung einer kontinuierlichen Lizenzzahlung durch den Bearbeiter (=100% der Bearbeitungstantiemen f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Komponisten). Wie wir sehen k\u00f6nnen, bringt der Deal f\u00fcr den Bearbeiter neben dem finanziellen Verzicht auch weitere, substantielle Nachteile und es \u00f6ffnet sich ein Markt f\u00fcr Plagiatsfischer, die Ver\u00f6ffentlichungen systematisch nach als Coverversionen deklarierten Bearbeitungen absuchen k\u00f6nnen, um sie anschlie\u00dfend umstandslos verwenden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnte man dem abhelfen? Z.B. in dem man, wie Lawrence Lessig vorschl\u00e4gt, die Erlaubnispflicht zur Bearbeitung in eine Registrierungspflicht umwandelt. Das w\u00fcrde die Machtverh\u00e4ltnisse grundlegend verschieben und den selbstverleugnenden Deal verhindern. Dann muss der Bearbeiter die Rechtsinhaber und Verwertungsgesellschaften nur noch \u00fcber seine Bearbeitung informieren und bekommt automatisch den ihm zustehenden Anteil an den Aussch\u00fcttungen der Verwertungsgesellschaften. Vor Plagiaten ist er dann ebenfalls gesch\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der amerikanische Singer\/Songwriter Jonathan Coulton wurde vor einiger Zeit gewahr, dass seine Version des Sir Mix-A-Lot Raps &#8222;Baby Got Back&#8220; von der Castingshow &#8222;American Idol&#8220; verwendet wurde, und zwar offenbar nicht nur seine vom Original g\u00e4nzlich verschiedene kompositorische Bearbeitung inkl. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=269\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,13],"tags":[],"class_list":["post-269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-copyright","category-musik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=269"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":282,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions\/282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}