{"id":543,"date":"2019-08-29T10:59:05","date_gmt":"2019-08-29T09:59:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=543"},"modified":"2019-08-29T10:59:06","modified_gmt":"2019-08-29T09:59:06","slug":"musikvideos-fuer-coverversionen-auf-youtube-welche-rechte-muss-ich-einholen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=543","title":{"rendered":"Musikvideos f\u00fcr Coverversionen auf YouTube \u2013 welche Rechte muss ich einholen?"},"content":{"rendered":"\n<p>D\u00fcrfen Musiker*innen ein Musikvideo zu einer von ihnen eingespielten Coverversion drehen und auf YouTube ver\u00f6ffentlichen? K\u00f6nnen sie das einfach so tun oder m\u00fcssen sie daf\u00fcr irgendwelche Rechte einholen \u2013 und wenn ja, welche? Vor einiger Zeit stellten mir Studierende aus dem Fach Musikproduktion genau diese Frage und ich konnte sie nicht beantworten. Sicher, es gibt Unmengen von Videos auf YouTube, in denen Musiker*innen sich selbst gefilmt haben, wie sie ein Lied nachspielen (&#8222;covern&#8220;). Aber ist das eigentlich legal und macht es einen Unterschied, wenn sie ein Musikvideo zu einer vorher von ihnen produzierten Aufnahme drehen? Ich startete eine Recherche zu diesen Fragen und die vorl\u00e4ufigen Ergebnisse pr\u00e4sentiere ich euch hier. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sie sind vorl\u00e4ufig, weil ich mit verschiedenen Expert*innen gesprochen und offiziell bei der GEMA nachgefragt habe. Bisher habe ich aber noch niemanden erreicht, der tats\u00e4chlich mit einem konkreten Streitfall zu tun hatte, was f\u00fcr mich immer eine Art Lackmustest der Rechtsauffassungen darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Frage nach\nden Urheberrechten, die ber\u00fchrt werden, m\u00fcssen wir die beiden\nMedien, die ein Musikvideo beinhaltet, Musik und Bild, zun\u00e4chst\ngetrennt betrachten. F\u00fcr die Musik allein ist die Sache klar\ngeregelt. F\u00fcr die unver\u00e4nderte Einspielung eines Musikst\u00fcckes\n(landl\u00e4ufig Coverversion genannt), das \u00fcber eine\nVerwertungsgesellschaft wie die GEMA vertreten wird, gilt eine\nsogenannte Zwangslizenz. Die Ver\u00f6ffentlichung eines Tontr\u00e4gers mit\nder neuen Einspielung muss der GEMA gemeldet werden, alle Einnahmen\nf\u00fcr die urheberrechtlich relevanten Leistungen Komposition und\nTextdichtung gehen an die urspr\u00fcnglichen Urheber*innen des\nMusikst\u00fcckes. Was genau eine unver\u00e4nderte Einspielung sein soll, \nkann man problematisieren, dazu schreibe ich gegen Ende des Beitrags\nnoch ein paar Takte. F\u00fcr den YouTube-Fall ist zun\u00e4chst wichtig,\ndass hier ja kein neuer Tontr\u00e4ger ver\u00f6ffentlicht wird, sondern ein\nFilm, der die Aufnahme einer Coverversion enth\u00e4lt. Muss dieser Film\nder GEMA gemeldet werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Auf meine Nachfrage\nhin gibt die GEMA Entwarnung: &#8222;F\u00fcr alle Nutzungen, bei denen\ndie Inhalte mit GEMA Werken \u00fcber YouTube \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich\ngemacht werden, rechnen wir die Verg\u00fctung derzeit mit YouTube direkt\nab. Anmeldung und Lizenzerwerb bei der GEMA durch den Uploader ist\nnicht erforderlich.&#8220; Die Nutzung der unver\u00e4nderten Komposition\nmuss also, anders als bei der Ver\u00f6ffentlichung eines Tontr\u00e4gers,\nnicht der GEMA gemeldet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der gleichen\nEmail weisst die GEMA auch darauf hin, dass noch weitere Rechte\nber\u00fchrt sein k\u00f6nnen, die die GEMA nicht wahrnimmt, z.B. das\nFilmherstellungsrecht. Das Filmherstellungsrecht ist urspr\u00fcnglich\ndaf\u00fcr gedacht, Urheber*innen an Einnahmen zu beteiligen, die aus\nEins\u00e4tzen ihrer Musik in Filmen, Fernsehserien, Werbespots und\n\u00e4hnlichen Produktionen. Hierbei wird die Musik durch die Kombination\nmit Bildern Bestandteil eines neuen Werkes. Dies gilt als eine\nBearbeitung und bedarf der expilizten Einwilligung der Urheber*innen\noder des Musikverlags, der diese vertritt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sieht das nun\nauf YouTube aus? Zwei Praktiker aus dem Musikverlagswesen, die ich\nbefragt habe, vertreten \u00fcbereinstimmend folgende Auffassung: Wenn\ndie Musiker*innen sich selbst bei der Einspielung des Songs filmen,\nsind keine Filmherstellungsrechte einzuholen. Sie k\u00f6nnen das Video\nproduzieren und hochladen, fertig, denn diese Art Video kann als\nAufzeichnung einer Auff\u00fchrung angesehen werden. Drehen sie jedoch\neinen Film, der auch andere Bilder enth\u00e4lt, oder nutzen eine vorher\neingespielte Aufnahme, m\u00fcssen sie die Rechte zur Filmherstellung\neinholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Interpretation\nerscheint stichhaltig, und legt die Vermutung nahe, dass auf dieser\nRechtsgrundlage die vielen YouTube Videos, auf denen Nutzer*innen\nMusikst\u00fccke nachspielen, f\u00fcr die Ebene des Bildes legal sind.\nAllerdings ist diese Auffassung durchaus zu kritisieren. erstens ist\nsie medientheoretisch nicht besonders stichhaltig.: Schlie\u00dflich ist\njede Filmaufnahme und ihr Schnitt eine k\u00fcnstlerische Leistung, es\ngibt keine neutrale Form einer Vermittlung der Musik. Viele\nCover-Videos, die die Musiker*innen zeigen, werden heute mit hohem\nprofessionellem und kreativem Aufwand produziert und. Die Situation\nder Livedarbietung wird extra f\u00fcr die Produktion eines YouTube\nVideos inszeniert. Die resultierenden Videos stellen somit Filmwerke\ndar. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Zweiten kann man\nsich fragen, ob die lizenzrechtliche Trennung von musikalischer\nCoverversion und Musikvideo heute noch Sinn macht. Momentan liegen\nhier zwei Rechtsanspr\u00fcche miteinander in Konflikt: Die\nerlaubnisfreie Aufnahme einer Coverversion und die\nerlaubnispflichtige Musikvideoproduktion f\u00fcr diese Coverversion.\nMeines Erachtens stellt das Musikvideo einen Spezialfall der\nFilmherstellung dar: Hier wird das Musikst\u00fcck eben nicht Bestandteil\neines Werkes, das einen anderen Inhalt hat wie z.B. ein Spielfilm\noder einen Produktwerbung. Vielmehr wird der Film nur produziert, um\ndie Aufnahme des Musikst\u00fccks zu interpretieren. Das Musikst\u00fcck ist\nder Ausgangs- und Mittelpunkt der Produktion. Von daher sollte auch\ndas Musikvideo f\u00fcr eine Coverversion unter die Zwangslizenz fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschie\u00dfend muss\nnoch erw\u00e4hnt werden, dass immer wieder darum gestritten wird, was\ndenn der Begriff &#8218;unver\u00e4ndert&#8216; genau bezeichnet. Ziemlich sicher\nist, Harmonik, Melodie, Text und zeitliche Struktur des Songs m\u00fcssen\nbeibehalten werden. Manche z\u00e4hlen auch Arrangement und\nInstrumentierung hinzu. Wenn man dieser Auffassung ist, dann w\u00e4ren\nviele nachgespielten Songs auf YouTube keine Coverversionen, denn\neine Aufnahme mit Gesang und Akustikgitarre ist ein Arrangement als\neine Produktion mit Band oder Synthesizern und Draummachines. Auf der\nEbene des Sounds hingegen, k\u00f6nnen sich Produzent*inenn von\nCoverversionen gehen lassen. Da Klang keine Kategorie ist, die das\nUrheberrecht kennt, kann man einen Schlager problemlos im Klanggewand\neines Heavy Metal Songs pr\u00e4sentieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcrfen Musiker*innen ein Musikvideo zu einer von ihnen eingespielten Coverversion drehen und auf YouTube ver\u00f6ffentlichen? K\u00f6nnen sie das einfach so tun oder m\u00fcssen sie daf\u00fcr irgendwelche Rechte einholen \u2013 und wenn ja, welche? Vor einiger Zeit stellten mir Studierende aus &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=543\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23,2,5,13,10],"tags":[61,91,90,44,51],"class_list":["post-543","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-article","category-copyright","category-das-netz","category-musik","category-texte","tag-copyright","tag-coverversion","tag-musikvideo","tag-urheberrecht","tag-youtube"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/543","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=543"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/543\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":544,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/543\/revisions\/544"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}