{"id":686,"date":"2023-02-25T19:06:47","date_gmt":"2023-02-25T18:06:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=686"},"modified":"2023-02-25T19:14:00","modified_gmt":"2023-02-25T18:14:00","slug":"yoko-ono-und-der-lange-arm-der-maennlichen-musikpresse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=686","title":{"rendered":"Yoko Ono und der lange Arm der m\u00e4nnlichen Musikpresse"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Leserbrief zum Artikel &#8222;Stellt euch blo\u00df vor&#8220; (Yoko Ono zum 90. Geburtstag), von Willi Winkler<\/strong>. 18.02.2023, Feuilleton, S\u00fcddeutsche Zeitung.<\/p>\n\n\n\n<p>1965 hat Yoko Ono\u00b4s Performance &#8222;Cut Piece&#8220; in Tokyo Premiere. Sie setzt sich hin, legt eine Schere vor sich, und jeder Besucher darf ein St\u00fcck ihrer Kleidung abschneiden. Lange vor Marina Abramovic macht Yoko Ono mutig ihren eigenen K\u00f6rper zum Kampfplatz, zeigt so auf ganz einfache Art das Ausma\u00df und die Allt\u00e4glichkeit der Gewalt gegen Frauen und wie sie sie t\u00e4glich still erdulden. Der Minimalismus eines scheinbar einfachen Konzepts, das ins Schwarze trifft &#8211; das wird ihr am Schnittpunkt von minimal art und Zen geschultes Markenzeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als John Lennon 1966 in London auf ihre Kunst trifft, erkennt er ihre Genialit\u00e4t sofort und findet in ihr eine kreative Partnerin, mit der er auf Augenh\u00f6he agieren kann. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es gibt einige kreative Frauen im Umfeld der Beatles (z.B. Astrid Kirchherr oder Pattie Boyd), doch nur Yoko Ono fordert eine \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz auf Augenh\u00f6he ein. Schon die erste Zusammenarbeit mit John Lennon wird eine in Vinyl materialisierte Forderung nach Gleichberechtigung: eine gemeinsame Backing Band und zwei LPs: John Lennon and the Plastic Ono Band sowie Yoko Ono and the Plastic Ono Band. Auch hier, in Songs wie &#8222;Why&#8220; ist das Thema Gewalt gegen Frauen auf ersch\u00fctternde Art pr\u00e4sent. Die m\u00e4nnlichen Musikjournalisten finden es einfach nur schrecklich. Musikerinnen von Patti Smith bis Diamanda Galas wird sie zum Vorbild. Sie ist die erste, die ihren Schmerz auf Schallplatte herauszuschreien wagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz davor haben sich die Beatles getrennt. Die vier Jungs haben sich zerstritten. Und wie kann es sich ein vom Machismo dominierter Musikjournalismus anders vorstellen als: eine Frau, eine Hexe muss Schuld sein! Dass die vier Beatles das selber zu verantworten haben, kann sich keiner von ihnen vorstellen, und die m\u00e4nnlichen Fans \u00fcbernehmen das Narrativ. Es wirkt bis heute. Auch Willi Winkler kann sich 2023 die Beziehung zwischen ihr und John Lennon nur dadurch erkl\u00e4ren, dass sie John Lennon umerzogen habe, und unterstellt ihr, sie habe einen sugar daddy gesucht. Als K\u00fcnstlerin verunglimpft er sie. Die Gewalt gegen Frauen, die Yoko Ono im Cut Piece sp\u00fcrbar werden liess, auch zu ihrem 90. Geburtstag wird sie ihr angetan, und die S\u00fcddeutsche l\u00e4sst es geschehen. Warum ist dort niemand auf die Idee gekommen, Yoko Ono von jemandem w\u00fcrdigen zu lassen, der\/die etwas von der weiblichen Perspektive im Kunst- und Musikbetrieb versteht? Yoko Ono macht bis heute bemerkenswerte feministische Kunst. Sie hat ihren Raum eingefordert, ihren Schmerz zur Kunst gemacht und damit den K\u00fcnstlerinnen, die nach ihr kamen, viel Raum geschaffen. Sie ist echte Avantgarde, und das gilt es zu w\u00fcrdigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Holger Schwetter, Westerkappeln, 26.02.2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leserbrief zum Artikel &#8222;Stellt euch blo\u00df vor&#8220; (Yoko Ono zum 90. Geburtstag), von Willi Winkler. 18.02.2023, Feuilleton, S\u00fcddeutsche Zeitung. 1965 hat Yoko Ono\u00b4s Performance &#8222;Cut Piece&#8220; in Tokyo Premiere. 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