{"id":85,"date":"2008-02-11T23:35:00","date_gmt":"2008-02-11T21:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=85"},"modified":"2008-08-31T22:11:16","modified_gmt":"2008-08-31T20:11:16","slug":"hoch-und-nieder-mit-der-feierei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=85","title":{"rendered":"Hoch und Nieder mit der Feierei"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;25 Jahre Weihnachten&#8220; feierten wir, es ist noch nicht lange her. Die Musik war laut und basslastig, die Luft enthielt kaum noch Sauerstoff. Der war ersetzt durch Nikotin, THC und Trockeneis. Der Nebel blieb konstant und stoisch. Mancher lehnte mit Kreislaufproblemen an der Wand, es wurde wohl auch reichlich \u00c3\u00bcbertrieben.<\/p>\n<p>Da sprach der Finne zu mir, \u00c3\u00bcberw\u00c3\u00a4ltigt: &#8222;In dieser Musik steckt soviel Wahrheit drin!&#8220; &#8222;Ja.&#8220; antwortete ich. Aber eigentlich war ich mir nicht sicher. Was mir die Musik heute sagt, ist eine Frage, die ich vermeide. Ich bin mir der Antwort nicht sicher. Und damit verbunden die Frage, was bedeutet technotisches, elektronisches Feiern heute, f\u00c3\u00bcr die Anderen, f\u00c3\u00bcr mich?<\/p>\n<p>Das Sch\u00c3\u00b6ne am Feiern war f\u00c3\u00bcr mich die Erfahrung einer Zeitlosigkeit, das Erreichen eines Zustands, in dem Minuten und Stunden nicht mehr z\u00c3\u00a4hlen, weil nur noch pures Jetzt da ist. Das findet nicht nur auf der Tanzfl\u00c3\u00a4che statt. Da m\u00c3\u00b6chte ich auch abh\u00c3\u00a4ngen k\u00c3\u00b6nnen und nehme gerne, man nenne mich einen Hippie, Lagerfeuer und B\u00c3\u00a4ume dazu. Ein Keller tut\u00c2\u00b4s aber auch. Im Herbst dr\u00c3\u00a4ngte es mich nach dem &#8222;rebirth of chill out&#8220;. Schmerzlich vermisse ich den Rahmen f\u00c3\u00bcr formloses Abh\u00c3\u00a4ngen und das Geniessen quergr\u00c3\u00bcndiger musikalischer Ausdrucksformen.<\/p>\n<p>Aber das ist es nicht nur. Ich bin \u00c3\u00a4lter geworden, habe einiges gesehen, noch mehr nicht erlebt, und feiern ist nicht mehr wichtig. Das ist ok. Mir graut bei dem Gedanken, in einer Ausgehschleife h\u00c3\u00a4ngend einfach nur Jahr um Jahr zu verbringen und zu glauben, ich h\u00c3\u00a4tte den Satz &#8222;history will repeat itself&#8220; verstanden. Will sagen, irgendwann reicht\u00c2\u00b4s. <\/p>\n<p>Doch auch das trifft nur den subjektiven Punkt, objektiv besehen ist alles nur Wiederholung, ja etwas gewinnt seine Kraft, seine Bedeutung dadurch, da\u00c3\u0178 es wiederholt wird, von Vielen viele Male. Die Legende von der Winzigartigkeit &#8211; wollte schreieben, Einzigartigkeit eines Erlebens, eines Moments, einer Person &#8211; das ist die Irref\u00c3\u00bchrung, ist die L\u00c3\u00bcge. In Wahrheit ist es Winzigartig. (Das Wort mu\u00c3\u0178 ich sofort <a href=\"http:\/\/www.monochrom.at\/orto\/\">hierhin<\/a> schicken). Nichts und Niemand ist Einzigartig, alles wiederholt sich, der Anteil selbstbestimmter Handlungen im Laufe eines Lebens liegt vermutlich unter 0,2%. Ern\u00c3\u00bcchternd? Hoffentlich. Deprimierend? Hoffentlich nicht. F\u00c3\u00bcr mich eher eine Befreiung, nichts Besonderes sein und leisten zu m\u00c3\u00bcssen. Zu wissen, die Frage ist, welche Bewegung, welche Ideen kann ich durch die Herstellung von Wiederholungen unterst\u00c3\u00bctzen? Der Blick auf die Innovation f\u00c3\u00bchrt in die falsche Richtung. &#8222;Vorsicht, ein Trend geht um!&#8220; Die Innovation ist als Motor der Produktmaschine korrumpiert. Die Werte, um die es mir geht, sind uralt. Auch die Strategien, um die es geht, sind wahrscheinlich alte, reichlich ausgelatschte Pfade. Gut so, was soll daran schlecht sein? <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.tocotronic.de\/kapitulation\/exklusiv\/meinruin.html\">&#8222;Wiederholung als Prinzip&#8220;<\/a>, f\u00c3\u00bcr die subjektive Psyche gef\u00c3\u00a4hrlich, f\u00c3\u00bcr das soziale Gemeinwesen unverzichtbar. Alles, was uns einf\u00c3\u00a4ngt, ist ritualisiert: Unterhaltung, Erwerbsarbeit. Aber das Ritual ist nicht das Gef\u00c3\u00a4hrliche, die Frage ist, worum geht es in den Ritualen, und: lassen sich alternative Routinen herstellen? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;25 Jahre Weihnachten&#8220; feierten wir, es ist noch nicht lange her. Die Musik war laut und basslastig, die Luft enthielt kaum noch Sauerstoff. Der war ersetzt durch Nikotin, THC und Trockeneis. Der Nebel blieb konstant und stoisch. 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