{"id":94,"date":"2008-08-31T22:12:12","date_gmt":"2008-08-31T20:12:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=94"},"modified":"2008-08-31T22:13:00","modified_gmt":"2008-08-31T20:13:00","slug":"creative-commons-und-das-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schwetter.de\/blog\/?p=94","title":{"rendered":"creative commons 3.0 und das Geld: die neuen CC+ Lizenzen"},"content":{"rendered":"<p>Am 14.08.2008 hielten Markus Beckedahl und Andreas Gebhard von <a href=\"http:\/\/www.newthinking.de\/\">newthinking<\/a>, unterwegs als die beiden Pressesprecher von creative commons Deutschland einen <a href=\"http:\/\/www.c-o-pop.de\/donnerstag.1336.de.html\">workshop auf der co-pop<\/a> in K\u00c3\u00b6ln. Lest im Folgenden meine Gedanken zum workshop und den neuen cc+ Lizenzen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/\">creative commons<\/a> ist als internationale Organisation ausgestaltet, hat aber zu wenig Geldmittel, vor allem in Europa. Die neuen cc+ Lizenzen stellen eine Syntax f\u00c3\u00bcr die Abrechnung kommerzieller Verwendung bereit, eine praktische Anwendung dieser Syntax ist allerdings noch nicht in Sicht. Auf Nachfrage spielten die Referenten den Ball zur\u00c3\u00bcck: das mu\u00c3\u0178 aus der community kommen.<\/p>\n<p>In der Werbung f\u00c3\u00bcr und der Anwendung der cc Lizenzen spiegeln sich zwei gro\u00c3\u0178e gesellschaftliche Umbr\u00c3\u00bcche wider, auf die es noch keine klaren Antworten gibt. Das betrifft Verschiebungen im Verh\u00c3\u00a4ltnis privat zu \u00c3\u00b6ffentlich und im Verh\u00c3\u00a4ltnis Amateure zu Profis.<\/p>\n<p>Bei den Lizenzen zwischen kommerzieller und nicht &#8211; kommerzieller Nutzung zu unterscheiden, ist ein Versuch, hier einzugreifen. Das Problem ist, noch niemand hat genau (geschweige denn juristisch genau) definiert, was nicht &#8211; kommerzielle Nutzung ist. Markus Beckedahl stellte zwei Varianten der Begriffsdefinition vor:<br \/>\na) es flie\u00c3\u0178t \u00c3\u00bcberhaupt kein Geld<br \/>\nb) es flie\u00c3\u0178t Geld, jedoch wird kein Gewinn sondern lediglich Kostendeckung angestrebt.<\/p>\n<p>Meine pers\u00c3\u00b6nliche Definition f\u00c3\u00bcr den Hausgebrauch ist noch weniger streng: Kommerziell ist, wenn die erste Motivation des Handelns Geldverdienen ist. Nichtkommerziell ist, wenn die erste Motivation eine andere ist.<\/p>\n<p>Eine solche moralische Definition l\u00c3\u00a4sst sich scheinbar schwer \u00c3\u00bcberpr\u00c3\u00bcfen. Allerdings gibt es schon seit Langem steuerrechtlich relevante Definitionen, die auch f\u00c3\u00bcr die Beurteilung und Abrechnung von Musiknutzung herangezogen werden k\u00c3\u00b6nnen. Es gibt gemeinn\u00c3\u00bctzige Rechtsformen, allen voran der Verein, die steuerrechtlich nach Definition b) arbeiten m\u00c3\u00bcssen. Privatpersonen m\u00c3\u00bcssen kommerzielle Aktivit\u00c3\u00a4ten dem Finanzamt melden, tun sie es nicht, machen sie sich wegen Steuerhinterziehung strafbar. Man k\u00c3\u00b6nnte also dem Privatmenschen nichtkommerzielles Handeln unterstellen, andere Nutzungen mu\u00c3\u0178 er anmelden.<\/p>\n<p>Das ist alles nichts Neues, die GEMA ber\u00c3\u00bccksichtigt bei den Geb\u00c3\u00bchren, die sie erhebt, auch solche Kriterien. Auf der Ebene der Definition b) kann man also klarkommen, bleibt noch die Frage, ob f\u00c3\u00bcr nichtkommerzielle Nutzung grunds\u00c3\u00a4tzlich nichts zu zahlen sei.<\/p>\n<p>Im klassischen Vertriebsmodell zahlt erstmal jeder, auch der Privatnutzer soll CD oder mp3 kaufen. Was danach geschieht ist umstritten, denn das Verh\u00c3\u00a4ltnis von Privat zu \u00c3\u00b6ffentlich verschiebt sich bei der Nutzung des internet und Kopien sind dort zur Nutzung eines Werks nicht nur m\u00c3\u00b6glich sondern n\u00c3\u00b6tig.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Verschiebung im Verh\u00c3\u00a4ltnis von Konsument und Amateur zu Produzent, also von passiver, rezipierender zu aktiver, ver\u00c3\u00a4ndernder Nutzung. Die Produktionsmittel sind heute g\u00c3\u00bcnstig wie nie, aber vor allem gilt: Was im analogen Zeitalter notwendig eine quasi &#8211; private Handlung, weil nur f\u00c3\u00bcr wenige zug\u00c3\u00a4nglich war: die selbstgespielten Versionen bekannter Lieder, die cut-up Collage aus Zeitungsschnipseln &#8211; ist heute quasi &#8211; \u00c3\u00b6ffentlich weil leicht f\u00c3\u00bcr Viele digital zug\u00c3\u00a4nglich.<\/p>\n<p>Der St\u00c3\u00a4rke von creative commons besteht darin, diese Ver\u00c3\u00a4nderungen als gegeben zu akzeptieren und L\u00c3\u00b6sungen f\u00c3\u00bcr einen praktischen Umgang mit dem Urheberrecht zu suchen, die Profis, Amateure und Nutzer (oder das Mischwesen, das wir alle einmal sein werden: der u-profiteur) mit einem unkomplizierten Regelwerk ausstatten.<\/p>\n<p>Das Problem ist, woran sich die Definition von Nutzungen, f\u00c3\u00bcr die bezahlt werden mu\u00c3\u0178 orientieren soll und wie die Abrechnung vonstatten geht. Wenn bei jeder Nutzung Geb\u00c3\u00bchren in unterschiedlichen H\u00c3\u00b6hen anfallen oder eine flatrate nach Nutzungsanteilen verteilt wird, ist die Geldverteilung m\u00c3\u00b6glicherweise gerecht, aber wer registriert das alles? Ist es ohne die Total\u00c3\u00bcberwachung der Mutzer und eine fragw\u00c3\u00bcrdige Machtansammlung in Form der Herrschaft \u00c3\u00bcber diese Daten zu machen? Kann die Verteilung dezentral und anonymisiert laufen?<\/p>\n<p>Das Musiker auf Spenden angewiesen sind oder nur von Liveauftritten leben sollen, kann jedenfalls nicht sein und ist auch nicht das Ziel von creative commons. Die cc+ Lizenzen stellen eine Aufforderung dar, sich um die Fragen der Abrechnung zu k\u00c3\u00bcmmern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14.08.2008 hielten Markus Beckedahl und Andreas Gebhard von newthinking, unterwegs als die beiden Pressesprecher von creative commons Deutschland einen workshop auf der co-pop in K\u00c3\u00b6ln. 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