Was wir uns reintun 2

Meine Arbeitshypothese lautet wie folgt: Wir verkörpern Unterdrückung, Ausbeutung und das Funktionieren im Betrieb durch das, was wir essen. Zum Beispiel war ich gerade in der Kantine und habe Fisch gegessen, irgendeine Sorte Hochseefisch, die früher niemand essen mochte und die mir jetzt als Delikatesse aufgetischt wird, weil die besseren Fischsorten fast komplett weggefischt sind. Die angebliche Delikatesse ist der neue Massenfrass, bis auch diese Sorten weg sind. Dazu gab es eine industriell gefertigte Tomatensoße und Kartoffeln. Das alles aus der Großküche und stundenlang warmgehalten, was für viele der wertvolleren Inhaltsstoffe das Ende bedeutet.

Schnelles, billiges Essen sorgt für effiziente Ausschöpfung der Tageszeit. Will ich die industriell gefertigte Nahrung nicht verinnerlichen, wird das Essen schlagartig zu einem vergleichsweise zeitraubenden Projekt, das mich entweder in der Arbeitsfunktion oder in der Freizeit einschränkt. Besorgen, verarbeiten, verpacken, nicht vergessen mitzunehmen, sind zeitraubende Tätigkeiten, die automatisch den Abstand zum Arbeitsalltag erhöhen. Hört sich doch gut an. „cooking change – a revolutionary diet“ Das neue Kochbuch von Von Korf.

Hinzu kommt die chemische Wirkung auf den Körper. Im Intro zu dem Song „mescalin“ von Akasha hören wir eine weibliche Stimme sagen: „Chemische Veränderungen können durch alles bewirkt werden, was wir essen, sogar durch Kartoffeln.“ Drogen sind bloss Substanzen, die extrem effektiv Veränderungen am Wirtskörper bewirken, in geringerem Maß tut dies aber alles, was wir zu uns nehmen.

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