Steiffen Balls

Mir ist da etwas aufgefallen, was das Cover des aktuellen Christian Steiffen Albums »Ferien vom Rock´n Roll« betrifft. Es hat eine große Ähnlichkeit mit dem Cover der LP »Balls to the Wall« der deutschen Rockband Accept aus dem Jahr 1983. Ich habe die Bilder mal zusammengefügt und siehe da, sie „passen“ gut zusammen: der Saum von Motorradlederjacke und Nierengurt verläuft in identischer Höhe. Linkes Bein, rechtes Bein, der Zoomfaktor und die Höhe des Ausschnitts passen nicht ganz – geschenkt.
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So eine strukturelle Ähnlichkeit fordert zu einer gemeinsamen Besprechung heraus, schließlich packt man auch gerne Wörter zusammen, die sich reimen, auch wenn sie einen völlig anderen Sinn tragen.

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Indie ist der neue Mainstream, Teil 256

Als Bahnpendler in der Wissenschaft gebe ich scheinbar mehr als 2.000,- € pro Jahr für Bahntickets aus, jedenfalls habe ich jetzt Bahn Comfort Status erreicht. Jetzt kann ich abseits vom Getriebe in DB-Lounges chillen und mir dabei endlose Koffein-Infusionen geben oder in überfüllten Zügen weniger privilegierte Mitreisende auffordern, einen Sitzplatz für mich zu räumen. Ist es das, was man Elite nennt? Oder strukturelle Ungleichheit? Jedenfalls fällt mir im Moment keine andere Situation (in meinem kleinen Altagsleben) ein, in der ich Ungleichheit derartig performativ hergestellen kann.

Aber deshalb schreibe ich eigentlich gar nicht. Was mich als Popwissenschaftler dazu treibt, über das Comfortkunde werden zu schreiben, ist das Anschreiben. Zum ersten Mal erreicht mich kein DIN C6 Umschlag sondern ein quadratisches Pappcover, von einer transparenten, wiederverschließbaren Plastikhülle umgeben. Das verdammte Ding sieht aus wie … eine etwas zu groß geratene Single und ist auch noch plattentypisch verpackt. Fällt das nur mir auf? Der Bezug wird in den Drucksachen nirgendwo aufgegriffen. Da hat vielleicht einfach wieder ein Szene-sozialisierter Graphiker ein ihm vertrautes Formprinzip in sein (möglicherweise prekäres) Jobleben übernommen. Indie ist der neue Mainstream, Teil 256.

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Gepflegt scheitern: Stucky/Doran/Tacuma/Studer spielen Hendrix

Konzertkritik, Porgy & Bess, Wien, 30.09.2015

Es steht ein tolles Team auf der Bühne: Doran und Studer waren die Gründer der legendären rock/jazz Band Om, Clarke hat bei Defunkt Bass gespielt, Erika Stucky ist als Sängerin sehr präsent und beliebt.

Stucky/Doran/Tacuma/Studer nähern sich dem Phänomen Jimi Hendrix von der Avantgardeseite her. Auch wenn man das zunächst nicht merkt. Nach zwei relativ braven Coverversionen fransen sie immer wieder und immer mehr aus, mit Geräuschpassagen, insbesondere Erika Stucky experimentiert mit ihrer Stimme, Tönen, Klängen, Geräusche, Spielzeugmikrofone. Einmal zieht sie eine Schaufel über die Bühne.
Demgegenüber ist der Gitarrist Doran vom Typ her angenehm zurückhaltend und spielt sehr kontrolliert. Das Spiel ist von Klang und Gestik nah am Original, die Hendrix-artigen Ausbrüche sind sparsam gesetzt und bleiben ebenfalls sehr kontrolliert. Die Klang- und Geräuschteppiche sind sehr kompetent gesetzt.

Die Musik bewegt sich sehr gepflegt auf hohem Niveau. Und dennoch, oder genau deshalb: Man kann dem Projekt beim Scheitern zusehen, und dieses Scheitern ist sehr aufschlussreich. Weiterlesen

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Classic rock strikes back! oder: morgens um 6 in der Bahnhofsbuchhandlung.

Heute morgen machte ich in der Bahnhofsbuchhandlung in Osnabrück in dem Regelmeter für Musikzeitschriften folgendes Foto:

Foto: Musikzeitschriften in Bahnhofsbuchandlung

Wie man sehen kann, dominieren Rock und Gothic Zeitschriften das Bild. Sieht man genauer hin, entdeckt man eine gewichtige Fraktion: 5 von 10 in der ersten Reihe ausgestellten Magazinen widmen sich vergangener, nicht aktueller Rockmusik. Und auch die aktuell ausgerichteten Hefte haben klassische Themen mit dabei. Der musikexpress beinhaltet ein Jimi Hendrix Special und das Rock Hard widmet sich unter anderem Judas Priest und Laibach.
Was geht hier vor? Ist dies die Rache der Baby Boomer? Ich habe einige Hypothesen zu diesem verstörenden Bild aufgestellt.

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Tagung: Die Produktivität von Musikkulturen

Zusammen mit Dennis Mathei, Jan Kühn und Hendrik Neubauer veranstalte ich die Tagung „Die Produktivität von Musikulturen„. Dort sollen Entwicklungsdynamiken von Musikstilen, Szenen, (Sub)Kulturen etc. thematisiert und mit Verständnissen des Begriffs Produktivität konfrontiert werden. In einer Zeit, in der wirtschaftstheoretische Begriffe immer mehr in den Bereich der Kulturproduktion (sic!) übergreifen, soll diskutiert werden, was Produktivität neben der betriebswirtschaftlichen Input/Output Relation in Musikkulturen bedeuten kann.

Unter den Fallbeispielen gibt es ein Panel zum Urheberrecht mit Frédéric Döhl und mir.

Hier geht´s zum Programm
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Termin: 14. / 15.11.2014, Institut für Musik, Kassel

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Sun Ra und die Verkörperung des Weltalls

Laudatio anlässlich des 100. Geburtstags von Sun Ra, 22.05.2014, Big Buttinsky, Osnabrück.
Lizenz: Creative Commons CC-BY 3.0

Holger Schwetter während des Vortrags im Big Buttinsky.

Sun Ra´s Outer-Space-Metaphorik erscheint zunächst abgehoben und ohne großen Zusammenhang mit sozialer Realität, Politik oder Gesellschaft. Die Bezüge sind jedoch vielfältig und erscheinen zunächst ironisch gebrochen. So heisst es in dem Song ‚Outerspaceways Incorporated‘: „If you find earth boring, just the same old same thing, you better sign up with outerspaceways incorporated.“ Es gibt die Möglichkeit eines Übergangs, eines Mitwirkens.
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Musik freikaufen mit ‚The bianca Story‘

Wenn ein Musiker oder ein Musikprojekt eine Platte plant, wird er in der Regel auch eine Kalkulation machen. Wie wäre es, wenn er diese veröffentlicht, den Verdienst, den er erzielen möchte, dazurechnet und der Allgemeinheit sagt: „Das ist mein Projekt, das möchte ich verdienen. Wenn ihr mir das im Voraus bezahlt, bin ich zufrieden. Ich kann das Projekt und mich selbst risikofrei für eine Zeit finanzieren. Im Gegenzug stelle ich das Album der Allgemeinheit anschließend kostenfrei zur Verfügung.“

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Analoge und digitale Gemeinschaften auf der Cologne Commons

Am vergangenen Freitag war meine Band Von Korf eingeladen, auf dem Festival zur Konferenz Cologne Commons zu spielen. Vorher, am Nachmittag, saß ich auf einem Panel bei der Konferenz mit dem Thema „Sind Netlabel schon tot oder riechen sie nur komisch?“ um die Sichtweise der Musiker zu vertreten, auch und gerade deshalb, weil ich im Rahmen meiner Promotion zum Selbstmanagement von Musikern im Internet forsche.
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Music Manumit über die C3S

Am Wochenende gab ich dem US-amerikanischen Podcast Music Manumit ein 50 Min. Interview über die C3S. Mein erster Beitrag für die dortige Öffentlichkeit überhaupt. Ich hoffe, ich habe mich ganz gut geschlagen.

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Jonathan Coulton, American Idol und das Problem der nicht gekennzeichneten Bearbeitung

Der amerikanische Singer/Songwriter Jonathan Coulton wurde vor einiger Zeit gewahr, dass seine Version des Sir Mix-A-Lot Raps „Baby Got Back“ von der Castingshow „American Idol“ verwendet wurde, und zwar offenbar nicht nur seine vom Original gänzlich verschiedene kompositorische Bearbeitung inkl. einer von ihm geänderten Textzeile, sondern sogar die Aufnahme, wie dieser A/B Vergleich (linker Kanal/rechter Kanal) nahelegt. American Idol verkauft die neue Version auch auf iTunes etc.

Hier zum Vergleich das Original von Sir Mix-A-Lot:

Jonathan Coulton berichtet von diesem Vorfall in zwei Blogposts (Quelle: blogpost 1, blogpost 2) und kommt nach einer kurzen Auseinandersetzung mit der Produktionsfirma von American Idol zu dem Schluß, dass er nichts dagegen machen kann. Denn: er hat seine Version als Coverversion angegeben, als er die Rechte für seine Version anmeldete, hat also seinen kreativen Anteil in der Bearbeitung der Musik unter den Tisch fallen lassen. Offiziell ist seine Version eine 1:1 Kiopie des Originals und damit kann er diese Rechte nicht geltend machen.

Wie konnte das passieren?

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